Suicide Attack und Dialektik der Aufklärung – Zur Kritik des politischen Engagements

Der Vortrag von Gerhard Scheit findet am Donnerstag, den 24.07.2014 in der Heuscheuer (Nähe Marstall) in Heidelberg statt.

„Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“: Warum ist das Selbstmordattentat Fokus all dessen, was die Feindschaft gegenüber Israel und den Juden ausmacht? Die Frage verweist darauf, dass es beim Thema „irrationale Weltanschauungen“ um die politische Gewalt selbst geht, denn deren jeweilige Form enthält bereits ein bestimmtes Verhältnis zum Souverän. Dieses Verhältnis aber erschließt sich der Kritik – soweit es sich überhaupt begreifen lässt – nur durch Begriffe von Herrschaft, realer Abstraktion und Vermittlung, wie sie in Kritischer Theorie im Anschluss an Marx gerade am Umschlag von Rationalität und Aufklärung in sekundäre Barbarei und irrationale Weltanschauung entwickelt wurden. Auf der Seite derer, die den Antisemitismus bekämpfen wollen, hat nun allerdings diese Kritik, trotz vielfach anderslautender Bekenntnisse, einen schweren Stand: Ohne Reflexion aufs eigene Engagement wie auf die Einheit des Widerspruchs springt man hier engagiert und bewusstlos hin- und her zwischen Vermittlung und Identität, Humanismus und Antihumanismus, aufgeklärt starkem Ich und romantischer Erlösung vom Ich, frommer Apologie des Rechtsstaats und rabiatem Linksradikalismus, philosemitischer Einfühlung und eingefordertem Verbot der Zirkumzision…

Gerhard Scheit, Dr. phil., lebt als freier Autor in Wien. Arbeiten zur Kritischen Theorie, über den Souverän und die Ästhetik in der Moderne; Mitherausgeber der Jean Améry Werkausgabe (2002-2008) und der Zeitschrift sans phrase (ab 2012). Bücher: Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt (2004); Jargon der Demokratie. Über den neuen Behemoth (2006); Der Wahn vom Weltsouverän (2009).

Den Vortrag könnt ihr euch Hier runterladen. Viel Spaß!